Das Projekt „abgeklärt“ möchte dazu beitragen, den Selbstfindungsprozess und die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen zu unterstützen, sowie Rollenbilder und Identitäten zu reflektieren. Ein wesentliches Ziel des Projektes ist es, dass Jungen wie Mädchen ein vielfältigeres Verständnis von sich selbst und ihrer eigenen Sexualität bekommen. Des weiteren sollen allgemeine Vorstellungen von männlich/ weiblich, normal/ anormal hinterfragt werden. Es ist Ziel, Schülerinnen und Schülern durch Spiele, Übungen und Gespräche die Möglichkeit zu geben ihre eigene Sexualität reflektieren und Geschlechterrollen zu hinterfragen. Weiterhin sollen auch die kommunikativen Kompetenzen der Jugendlichen im Gruppengespräch gefördert werden. Es geht um den Abbau von Sprachlosigkeit und Hemmungen, über Geschlechterrollen und andere Tabu-Themen zu kommunizieren. Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch die Entdeckung der eigenen Kompetenzen, Qualitäten und die Förderung von Toleranz und Akzeptanz in Bezug auf Menschen mit anderen sexuellen Orientierungen (und damit mit anderen Lebensentwürfen). Wir möchten auch versuchen, lesbische und schwule Jugendliche in ihrem eigenen Coming-out-Prozess zu unterstützen und zu stärken.

Es ist ebenfalls ein Ziel, Jugendliche zur Selbst- und Fremdwahrnehmung zu sensibilisieren und sie zu befähigen, sich selbst auch mit abweichenden Rollenbildern, Neigungen, Empfindungen akzeptieren zu können und sie somit in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen. Hierfür ist die Bejahung der eigenen Sexualität sowie das Erlernen des Umgangs mit auftretenden Konfliktsituationen von besonderer Bedeutung. In diesem Zusammenhang sollen auch die tradierten Geschlechterrollen vorgestellt und hinterfragt werden. Ziel ist es auch, dass Jugendliche die Dimension der Geschlechterrollen und des dazugehörenden Rollenverhaltens als soziale Konstrukte erfassen, sowie ihnen ihre Funktionen zu verdeutlichen und andere Lösungen zu ermöglichen. Die Sexualerziehung möchte den Schülerinnen und Schülern aufzeigen, dass sexuelle Verhaltensweisen und die damit einhergehenden Wertvorstell-ungen sowie Rollenverteilungen in der Gesellschaft und Partnerschaft nicht nur biologische Voraussetzungen haben, sondern vor allem Ergebnisse einer langen gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Entwicklung sind. Sexualität wird immer durch Normen und Werte geformt. Während es in der Vergangenheit eine gewisse Allgemeinverbindlichkeit von Normen und Werten gab, ist die gegenwärtige Situation aufgrund der Vielfalt von Lebensformen durch eine grosse Orientierungslosigkeit gekennzeichnet. Die damit verbundenen Normen-abweichungen können für den Einzelnen schwierige Konflikte einschließen und zu Unsicherheiten im Rollenverhalten führen. Ziele wie Themenbereiche von „abgeklärt“ sind deshalb so ausgerichtet, das sie der Unterstützung einer eigenen sexuellen Identität und der Förderung des (Selbst-) Bewusstseins dienen.

Neben den ursprünglichen hauptsächlich sexualpädagogischen Zielen gibt es seit diesem Jahr noch den Themenbereich Integration und Geschlechter(Rollen)klischees. Dieser wurde neu hinzugefügt und methodisch ausgearbeitet aufgrund einer Anfrage des Funkhaus Marl im Januar 2004. So startete das Integrationsprojekt “abgeklärt” in Marl.  In ihm geht es um die Auseinandersetzung und Bewusstmachung der gesellschaftlich/kulturell tradierten Rollenklischees und Geschlechterrollen. Weiterhin dient es der Integration sowie des interkulturellen kennen und verstehen Lernens. Gruppenspiele dienen dazu, das deutsche und ausländische Jugendliche neben den Unterschieden der Kulturen vor allem ihre Gemeinsamkeiten erkennen. Die Methoden sind so konzipiert, dass Kommunikations-, Reflektions- und Diskussionskompetenzen gefördert werden. Das "abgeklärt"-Team erhofft sich damit, Vorurteile, Ängste sowie Verständigungsprobleme abzubauen.